Review: Eaglesoft’s Cessna Citation CJ1

Kauf & Installation:
Möchte man die Cessna Citation CJ1 sein Eigen nennen, muss man den Flieger auf
www.eaglesoftdg1.com
herunterladen und dann mit Hilfe des Flight1-Wrappers freischalten lassen.
Nachdem man die 23,95$ überwiesen hat (eine Kreditkarte wird benötigt), bekommt
man per E-Mail einen Key zugewiesen. Nach Eingabe des Keys, legt der
Flight1-Wrapper nach Angabe des gewünschten Pfades die eigentliche
Installationsdatei an. Mit dieser ist es dann nur noch eine Frage von Sekunden
bis die Citation CJ1 im FS9 startklar ist…
Dieser Test wurde mit der derzeit aktuellen Version 1.1 durchgeführt. Das
Upgrade von Version 1.0 auf 1.1 erhaltet ihr durch Installation des Service
Packs, das auf der Seite von Eaglesoft erhältlich ist.
Die reale Cessna Citation CJ1:

Die 12.98m lange und 4.2m Cessna Citation CJ1 ist mit einer Range von 2380km
der ideale Business-Jet für Firmen mit Zielen innerhalb Europas. Der Jet mit
einer Spannweite von 14.26m benötig lediglich eine Startstrecke von 975m, zum
Landen genügen gar 866m, was es möglich macht auch kleineren Flughäfen
anzusteuern. Ebenfalls kann die Maschine von nur einem Piloten gesteuert werden.
Die Maschine ist mit TSE Williams-Rolls FJ44-1A Triebwerken ausgestatte, welche
eine Leistung von je 8,45kN erbringen und zusammen 406kg auf die Waage bringen.
Ihren ersten Flug hatte die CJ1 am 29. April 1991, ein Jahr später erhielt sie
die Zulassung und am 30. März 1993 lieferte Cessna schließlich das erste
Flugzeug dieses Typs aus. Wer sich im realen Leben diesen Business-Jet gönnen
möchte, erhält diesen für schlappe 3,4 Millionen US-Dollar.
Außenmodell:

Bereits nach kurzem Betrachten des Außenmodells ist klar: Typisch Eaglesoft! Das GMAX-Modell der Maschine ist klasse gelungen und mit den obligatorischen Reflektionen und Dynamic Shine kommt Eaglesoft mit der FS-Umsetzung sehr nah an das originale Vorbild heran. Das Eaglesoft-Team arbeitetet zudem mit Liebe zum Detail – alles was die Originale CJ1 hat, findet man auch im Flugsimulator. Um euch zu zeigen, wie detailgetreu die Umsetzung der Maschine ist, habe ich anhand der Beispiele von Fahrwerk und Leitwerk einen Vergleich zusammengestellt:

Die Maschine beinhaltet neben den Standardanimationen wie Klappen, Speedbrakes, etc. noch eine ganze Menge anderer Animationen. Bei ausgeschalteten Triebwerken sind diese mit Engine-Covern versehen. Ist die Parkbremse gesetzt, erscheint zudem ein roter Teppich, Bremsklötze unter den Räder, Absperrungskegel um die Maschine herum und die „Remove Before Flight“-Bänder an den beiden Pitot-Rohren. Diese flattern sogar mit dem Wind – genial! Auch der Pilot vorne im Cockpit bewegt sich und setzt seine Sonnebrille nachts automatisch ab. Auch die Motorhaube lässt sich öffnen. Unterm Strich sind die Animationen sehr gut, ganz an die Qualität Citation X, bei der sogar noch ein Mechaniker mitgeliefert wurde, kommt Eaglesoft jedoch nicht heran.

Die 5 mitgelieferten Texturen sind durchschnittlich, kein Meisterwerk. Von weiter weg sind sie einwandfrei, doch zoomt man näher heran, werden sie leider etwas grobkörnig. Schmutzspuren auf den Texturen vermisst man leider wie so oft… Die Nachttexturen sind ordentlich, hier gibt es nichts zu bemängeln. Schmutzspuren Bei AVsim.com finden sich weiter Freeware-Texturen (auch mit Deutschen Kennungen), welche eine ähnliche Qualität haben. Wer selbst Hand anlegen will, kann sich das Paint Kit der Maschine auf der Seite von Eaglesoft herunterladen.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Außenmodell und die Animationen sehr
gut sind, die Qualität der Texturen jedoch wurde leider etwas vernachlässigt.
2D-Cockpit:

Wirft man das erste Mal einen Blick in das 2D-Cockpit der Citation CJ1, wird
man von der großen Anzahl von Knöpfen, Schaltern, etc. etwas überrumpelt. Zumal
die Beschriftungen an den Schaltern sehr klein geraten sind, das man nicht
einmal weiß, wozu die vielen Schalter denn gut sind. Doch keine Angst, wenn man
sich eine Weile mit dem Panel und dem Manual beschäftigt hat, scheint alles
schon viel logischer.
Die Panel-Bitmap gefällt mir vom Betrachten her ganz gut, wurde allerdings für
die Größe 1280x960 Pixel gestaltet. Schön für die Besitzer von 19-Zoll
Monitoren. Bei allen anderen, beispielsweise bei mir, wirkt das Panel etwas
zusammengestaucht und manche Beschriftungen sind im normalen 2D-Cockpit
unlesbar. Mit etwas Erfahrung und dem Beherrschen der Maschine stellt dies zwar
kein Problem mehr da, ist aber natürlich nicht das gelbe vom Ei. Die größere
Auflösung ist generell kein Problem, wenn man auch auf kleineren Bildschirmen
alles gut ablesen kann (z.B. die PMDG 737NG), dies ist bei der CJ1 jedoch leider
nicht der Fall.
Das Mainpanel gliedert sich hauptsächlich in die zwei Hauptbildschirme, das PFD
(= Primary Flight Display) links und das MFD (= Multifunctional Display). Das
Cockpit des Jets ist im Gegensatz zur großen Schwester des CJ1, der Citation
CJ2, sehr modern ausgerüstet. Um diese herum findet man die zur Sicherheit auch
in den modernsten Flugzeugen vorhandenen mechanischen Messgeräte für die
wichtigsten Systeme (Höhenmesser, Fahrtmesser und künstl. Horizont), sollten die
digitale Versionen derer auf dem PFD versagen, zudem Frequenzwähler, unter dem
Kompass viele Warnleuchten (welche mich sehr an die BAe 146 erinnern) und viele,
viele Knöpfe und Schalter. Einen übersichtlichen Eindruck macht das 2D-Cockpit
in der Hauptansicht nicht, ich habe nichts gegen viele Schalter, aber diese sind
so klein geraten sind und um sie zu bedienen muss ich daher sowieso das Subpanel
für die Elektrik aufrufen, das man sie gleich hätte weglassen können. Abhilfe
schafft hier die ‚Landing View’, bei der ein Teil der Elektrik-Schalter
weggelassen wurde, die man per Knopfdruck problemlos auswählen kann. Ich führte
meine Flüge ausschließlich in der ‚Landing View’ durch, da man mehr Außensicht
hat und das Cockpit übersichtlicher wirkt.
Neben der 2D-Hauptansicht sind weiter 6 Sub-Panels aufrufbar, die zur Bedienung
der Bordsysteme von Nöten sind. Auf alle explizit einzugehen würde den Rahmen
des Reviews sprengen, dennoch möchte ich euch einen Einblick in den FMC und den
Autopiloten der Maschine geben.

Der FMC ist leider wieder einmal sehr mager geraten, wie wir das von Eaglesoft bereits gewohnt sind, und bietet nur einen Teil der Möglichkeiten des echten Vorbildes, ist jedoch trotzdem ganz nützlich. Über den ‚NAV’-Button, erhält man beispielsweise die Koordinaten seiner derzeitigen Position oder Informationen. Nützlich ist hier die ‚Flight Summary’-Seite (auf Deutsch ‚Flugzusammenfassung’), die automatisch Start- und Landezeit erfasst, die Menge des verbrauchten Sprits, die durchschnittliche Geschwindigkeit über Grund und die geflogene Distanz. Man erspart sich damit einigen Papierkram und kann die Daten nach dem Flug schön bequem in Ruhe dem FMC entnehmen. Eine Funktion zur Berechnung der Start- und Landegeschwindigkeiten ist enthalten, sowie eine Seite auf der man aktuelle Daten des Fluges betrachten kann. Die jedoch wichtigste Funktion eines FMC’s, nämlich das Programmieren einer Flugroute mit Darstellung im PFD wurde nicht umgesetzt. Man kann lediglich einen Flugplan des FS9-GPS einfügen und dazu im FMC Höhe und Geschwindigkeit programmieren. Eine Möglichkeit bleibt natürlich über FSBuild einen „richtigen“ Flugplan zu gestalten und dann ins FS9-Format umzuwandeln.

Der Autopilot der Citation CJ1 muss ebenfalls separat aufgerufen werden.
Dieser begeisterte mich von Anfang an. Bisher bin ich kaum Flugzeuge geflogen,
die so ruhig und genau den Localizer anschneiden und so ruhig dem Gleitpfad des
ILS folgen. Auch die anderen Funktionen des Autopiloten lassen keinerlei Wünsche
übrig, obschon die Bedienung des Autopiloten besonders für eingefleischte Airbus
oder Boeing Piloten eine kleine Eingewöhnungsphase erfordert. Die
Autopilotsteuerung befindet sich in der Citation CJ1 nämlich auf dem Throttle
Quadranten (die Konsole auf der sich die Schubhebel befinden) und die
Einstellungen werden teils über Drehschalter auf diesem, teils über die
Drehschalter rechts des PFD’s gesteuert. Aber spätestens nach dem Lesen des
Handbuches sind eigentlich alle Verständnisprobleme beseitigt. Etwas nervig wird
es mit der Zeit jedes Mal den Autopiloten nicht wie sonst üblich über das
Main-Panel zu steuern, sondern immer ein Sub-Panel öffnen zu müssen. Doch in der
Realität ist es genauso und daher auch den Autoren hierbei keinen Vorwurf
machen.
Im 2D-Cockpit integriert sind ebenfalls die üblichen Callouts des GPWS-Sytsems.
Auf Knopfdruck kann man zusätzlich noch einen virtuellen Copiloten aktivieren,
der einen über die V-Geschwindigkeiten, Höhenmessereinstellungen (jedoch
lediglich auf das Transition Level FL180 der USA programmiert), Klappen, etc.
informiert. Dieser Zusatz gefällt mir sehr gut, bringt mehr Realismus und ist
nebenbei äußerst nützlich.
Wer ein Overhead-Panel vermisst, dem sei gesagt, dass auch in der Realität
keinerlei Instrumente an der Decke des Cockpits vorhanden sind.

Auch nachts macht das 2D-Panel eine recht gute Figur. Kannte ich früher nur
eine feste Nachtbeleuchtung eines Cockpits, so kann ich in der Citation CJ1 die
Helligkeit einzelner Instrumente und der Beschriftungen je nach Geschmack und
Bedarf selbst wählen, was mir sehr gefällt.
Das Cockpit kann nur leider nicht so konfiguriert werden, das es stets im Cold &
Dark-Modus aufgerufen wird, was ich etwas schade finde. Auch muss die Maschine
im 2D-Cockpit geladen oder gespeichert werden, damit es zu keinen Abstürzen des
Flugsimulators kommt.
3D-Cockpit und virtuelle Kabine:

Das 3D-Cockpit der CJ1 ist für mich das Highlight des gesamten Produktes – es ist dem Team von Eaglesoft hervorragend gelungen. Das Fliegen im virtuellen Cockpit stellt keinerlei Probleme da und macht sogar mehr Spaß als im 2D-Cockpit. Alle Instrumente sind auch bei starkem Heranzoomen noch gut ablesbar, auch versperrt kein Instrument oder Schalter die Bedienung eines anderen Systems. Die Texturen im virtuellen Cockpit sind sauber und genau gezeichnet, verglichen mit Originalaufnahmen des Cockpits, fällt kein gravierender Unterschied auf. Tagsüber ist es (wie im FS9 üblich) etwas dunkel, vor allem wenn man gegen die Sonne fliegt, aber dies ist kein Fehler des Eaglesoft-Teams, sondern ein generelles Problem des Flugsimulators. Nachts kann man die Lichter des Panels und der Instrumente wie im 2D-Cockpit auch nach Bedarf und Belieben verändern, im 3D-Cockpit hat man jedoch zusätzlich die Möglichkeit so genannte „Flood-Lights“ (Deckenleuchten) nach Lust und Laune einzustellen.


Sehen wir uns doch nun einmal die virtuelle Kabine der Maschine an. Am Design und den Details gibt es nichts zu kritisieren, jedoch hätte ich mir schönere Texturen gewünscht. Wie immer bauten die Jungs von Eaglesoft einige nette Animationen ein. In der CJ1 lassen sich Tische aufklappen, Sitzlehnen verstellen, nachts Deckenlichter einschalten und auch eine Minibar samt Kaffeemaschine ist enthalten. Solide, jedoch besitzt der Jet nicht das Detailreichtum und die schönen Texturen der Citation X. Auf eine Toilette wird mit einem Schild in der virtuellen Kabine hingewiesen, diese wurde jedoch nicht umgesetzt.


Performance:
Von der Performance des Flugzeuges bin ich positiv überrascht. Ich habe zwar
nicht das stärkste System, dennoch läuft alles flüssig ab. Teilweise braucht es
einen Augenblick bis die Texturen im 3D-Cockpit vollständig geladen sind, dies
ist jedoch kein Problem. Wer ein 3D-cockpit als überflüssig betrachtet oder
einen sehr schwachen Rechner hat, kann die ‚Lite’-Version der Maschine in der
Flugzeugauswahl des FS9 auswählen. Hierbei fehlt das virtuelle Cockpit.
Sound:
Die mitgelieferten Sounds der Citation CJ1 sind sehr schön anzuhören und haben
eine gute Qualität. Im Cockpit hört man nicht allzu viel von den Turbinen, ganz
im Gegensatz zu Außen, wo man das Dröhnen der Turbinen genießen kann. Die Sounds
für den Triebwerksstart bzw. das Ausschalten derer finde ich sehr gelungen. Wer
das Gefühl hat der Sound dieses Jets klingt ähnlich wie dem der Premier 1 hat
Recht – sie sind sogar recht ähnlich, da die beiden Ähnlichkeiten in Avionik und
Triebwerken haben. Jedoch wurde das Soundset für die CJ1 vom bekannten Aaron
Swindle komplett neu gestaltet.
Flugdynamik:
Zuerst einmal sei gesagt, dass ich in der Realität bisher nicht am Steuer eines
derartigen Jets war. Daher kann ich hier nur meine subjektiven Eindrücke
beschreiben. Der Jet liegt sehr gut in der Hand, ich hatte jederzeit Gefühl die
Maschine perfekt unter Kontrolle zu haben. Mit der CJ1 kann man sehr präzise
fliegen, ich habe nur selten ILS Anflüge vom Autopiloten durchführen lassen, da
es manuell einfach bedeutend mehr Freude bereitet.
Dokumentation:
Auf der Homepage von Eaglesoft ist ein 39 Seiten starkes Handbuch zum Download
erhältlich, welches sich mit der Bedienung der Instrumente befasst. Eine gute
Checkliste und einige Leistungsdaten liegen im Aircraft-Verzeichnis im Ordner
der Citation CJ1 im .html-Format vor. Die Checkliste findet man dann übrigens
auch im „Kniebrett“ des FS wieder, was ich eine gute Idee finde. Auf diese wird
leider auch nirgends verwiesen, sodass man erst nach kurzem Suchen auf diese
Dateien aufmerksam wird. Alles in allem ist die Dokumentation in Ordnung, ein
etwas schöneres Design, eine Bündelung aller Informationen in einem Handbuch,
mehr Performance-Daten und die Erklärung einiger komplexerer Verfahren hätten
dies um einiges verbessert.
Detaillierte Bewertung
Pro:
- sehr schönes Außenmodell und 3D-Cockpit
- Performance
- Preis
- die tollen Flugeigenschaften und der schöne Sound
- schneller & guter Support im Eaglesoft-Forum
Contra:
- 2D-Panel für Besitzer von 17-Zoll Monitoren nicht optimal
- Texturen teilweise etwas grobkörnig (z.B. in der virtuellen Kabine)
- Handbuch nicht ganz vollständig
Fazit
Eine gewohnt solide Leistung erbrachte Eaglesoft mit der Citation CJ1 und
erreicht damit, wenn auch knapp, 9 Sterne. Wer Business Jets mag oder sich
vielleicht etwas mit Business Jets im FS vertraut machen möchte ist mit der CJ1
bestens bedient. Das 2D-Panel der Maschine gefiel mir nicht so gut, schade ist,
dass das Panel auf 17-Zoll Monitoren etwas gezerrt ist und dadurch die
Spielfreude im 2D-Panel etwas flöten geht (für Besitzer von 19 Zoll-Monitoren
gilt dies natürlich nicht). Doch das großartige virtuelle Cockpit gleicht dieses
Defizit wieder aus. Auch das Außenmodell ist dem Eaglesoft-Team wieder einmal
prächtig gelungen. Die 23,95$ sind vor allem beim derzeitigen Dollar-Kurs ein
fairer Preis und man wird für sein Geld nicht enttäuscht. Dennoch konnte man an
das hohe Niveau der Citation X (den damaligen Testbericht findet ihr
hier) nicht
ganz anknüpfen.
Eaglesoft’s Cessna Citation CJ1 bekommt insgesamt 9 von 10 erreichbaren Sternen:

Sven Scharr für flugsimulation.com |
Sven im Impressum
Mehr Infos und Kauf bei
http://www.eaglesoftdg1.com
Die Screenshots wurden unter Verwendung von Active Camera gemacht. Mehr Infos
über dieses grossartige Tool:
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